[personal profile] nathalia

Ich habe heute ein erstaunliches und tiefsinniges Gespräch mit Bernd geführt, aus dem ich zwar viel fürs Leben mitnehmen konnte (hoffe ich), das aber meinen ganzen Zeitplan durcheinandergebracht hat. Er hat mich um 20 Uhr gerufen, weil er reden wollte und wir haben bis 23 Uhr geredet, danach musste ich unbedingt noch duschen. Das wäre unter anderen Umständen kein größeres Problem, wenn ich mich in den drei Stunden, die wir geredet haben, nicht mit meinen Matheaufgaben und meinem comentario für Spanisch hätte auseinandersetzen sollen ...

Wir haben über Familie, Verpflichtungen, Erziehung, Eltern und Kinder, Generationenverträge und meine Zukunft geredet und über vieles, was ich hier gar nicht beschreiben könnte. Es war ein intensives Gespräch, es war erbarmungslos und gut. Wie aus so vielen Gesprächen mit meinem Vater kann ich aus diesem einen unglaublichen Nutzen ziehen. 

Weniger als ein Monat bis NaNoWriMo und ich schreibe wie letztes Jahr auf deutsch. Nicht, weil ich bewusst diese Entscheidung getroffen habe, sondern weil diese Geschichte einfach auf deutsch erzählt werden muss. Es ist nicht so, dass ich eine Idee habe und mir dann überlege, auf welcher Sprache ich das wohl schreiben sollte. Die Idee kommt mit der Sprache. Wenn ich die Idee auf englisch habe, muss ich auch auf englisch schreiben, beispielsweise bei den Misfits. Andersrum ist es genauso der Fall. Und die Idee, die ich habe, ist keine neue. Ich habe vor ein paar Wochen einen Zettel gefunden, den ich Ende 2004 / Anfang 2005 geschrieben habe und an die ich mich nicht mehr erinnert habe, bis ich den besagten Zettel fand und ich war beeindruckt von der Idee.

Ich habe angefangen mit dem, was ich damals als Grundidee aufgeschrieben hatte, zu spielen, mir zu überlegen, wie ich mehr Tiefe in die Handlung bringen könnte, denn es war zwar im Prinzip eine gute Idee und der Hintergrund, den ich nicht aufgeschrieben hatte, nämlich die Vergangenheit des "Sehers" fasziniert mich jetzt noch. Nur war der "Seher" damals nicht von allzugroßer Bedeutung und beim Lesen ist mir wieder eingefallen, was für eine Person er denn ist und das ist wohl der Grund, weswegen ich die verlorene Idee wieder aufgegriffen habe. 

Im Original war es eine Fantasy / Science Fiction Kurzgeschichte für eine Anthologie aus Geschichten, die in dieser Realität gespielt haben, wobei jede Person im Vorübergehen in irgendeiner anderen Geschichte auftauchen sollte (ob ich die anderen Ideen noch habe, weiß ich nicht). Ein Aspekt, der in fast allen meinen "creater-owned projects" zu finden ist, ist der Mensch, seine Entwicklung, alles auf einen Zeitabschnitt seines Lebens zurechtgeschnitten. Das ist auch bei den Misfits ein wichtiger Aspekt. "Whodunnit?!", "Cruel" und viele meiner kleineren Werke befassen sich damit. Ich wusste nur nicht, dass ich mit 14 schon diesen Fokus hatte, den man in fast allem, was ich schreibe, finden kann.

Zur Handlung des Originals: Die Hauptperson war ein junger Dieb mit großem Herzen, der gerade alles, was ihm wichtig war, verloren hatte und dem ein Seher erschien, der ihm anbot, ihm die Umstände seiner Geburt zu enthüllen, wenn er bereit wäre, ihm dafür ein Jahr lang zu dienen. Der junge Mann, der ja sonst nichts mehr im Leben hat, erklärt sich dazu bereit und lernt ein wenig später bei einem seiner Aufträge ein geheimnisvolles Mädchen kennen, in das er sich verliebt, was der Seher gar nicht gerne sieht, weil der Dieb IHM die Treue versprochen hatte.

Die Geschichte handelte also von der Suche nach der Vergangenheit und wie diese eine Auswirkung auf die Zukunft hat. Auf die Liebesgeschichte kann natürlich nicht verzichtet werden.

Ich habe einige Veränderungen vorgenommen, es ist nur noch sehr wenig unverändert geblieben. Wichtig war mir vor allem, Tiefe und Konflikte neu aufzubauen und alle Klischées auszumerzen und dafür zu sorgen, dass alles eine negative Seite hat (das mache ich ja sowieso gerne). Ich habe mir Mühe gegeben die Liebesgeschichte ein bisschen mehr in den Hintergrund zu rücken und mehr auf die Beziehung zwischen dem Seher und der Hauptperson, die ich in Demyan umgetauft habe, einzugehen, denn das liefert sehr viel Material. Und ein bisschen Romantik brauche ich, weil Aliya, die einzige Person, die ihren Namen aus V1 behalten hat, nicht uninteressant ist. 

Die Geschichte spielt jetzt in einer Fantasy-Welt, die dem Mittelalter in vielem ähnelt, nur nicht unbedingt was Religion und Keuschheit betrifft, was heißen soll, das Demyan Sex hat ;) Einige wenige Menschen besitzen unmenschliche Fähigkeiten, was in vielen Fällen dazu führt, dass sie verfolgt werden (-> Hexenverbrennung), doch es gibt auch einige, die akzeptiert werden. Gewöhnlich versucht aber jeder seine Fähigkeiten zu verstecken.

Demyan, der sich sein Geld damit verdient, dass er die Drecksarbeit, die andere nicht verrichten wollen, erledigt, besitzt Fähigkeiten (ich arbeite noch daran,festzulegen, was er genau kann, denn in V1 war er zu mächtig) und kann sie nicht wirklich verstecken, denn seine Augenfarbe verrät ihn. In seinem Heimatdorf halten viele ihn für den Sohn des Teufels (bzw. des Equivalents in ihrer Religion, das ich noch nicht genau kenne), auch wegen seiner Herkunft, die dann auch im Laufe der Geschichte genauer erforscht werden kann.

Die Person, deren Rolle ich drastisch vergrößert habe, ist die des Sehers, der keinen Namen hat. Ich bin mir noch nicht sicher, welchem Begriff ich statt einem Namen für ihn verwenden soll, "der Seher" ist ein bisschen zu wenig. In V1 heißt er Witness (englisch: Zeuge), aber "der Zeuge" klingt nicht so gut und ich will kein englisches Wort nehmen, auch wenn Witness perfekt wäre. Seine besondere Rolle, die sich von denen aller anderen Personen unterscheidet, wird dadurch abgedeutet, dass ich entschieden habe, ihn mit einer recht klischeehaften Charakteristik auszustatten, die wohl von Sofokles in "König Ödipus" zum ersten Mal auftrat. Der Seher ist nicht einfach nur ein Seher, er ist wie Teiresias blind. Ich finde die Idee eines blinden Sehers einfach so paradox und als ich mir überlegt habe, wie diese Person denn aussehen würde, kam mir plötzlich die Idee, "Er trägt eine Augenbinde." Wenn er doch ein Seher ist und über alles, was um ihn herum geschieht, Bescheid weiß, braucht er seine richtigen Augen doch gar nicht. So hat diese Figur, die mit Abstand komplexeste, ein paar kleine Anspielungen auf den griechischen Seher, aber er wurde nie einem Geschlechtswandel unterzogen wie Teiresias.

Weitere Personen, mit denen ich mich bisher genauer beschäftigt habe, sind alle weiblich. Aliya ist eine schöne, hübsche Frau mit großen Zielen, die sie mit Hilfe ihrer besonderen Fähigkeiten erreichen will (in vielem gleich wie Aliya in V1). Demyans einzige wirkliche Freundin in seinem Heimatdorf, Dona, hat sehr moderne Ansichten und ist eine starke Frau, die neben all ihren anderen Tätigkeiten auch noch ihre kränkliche kleine Schwester Riez, die Demyan liebevoll seinen kleinen Engel nennt, aufziehen. Sowohl Dona als auch Riez sind erst bei der Überarbeitung entstanden und ich finde sie viel besser als V1, wo Demyan alle, die ihm etwas bedeutet haben, verloren hat.

Genug verraten. In nächster Zeit kommen wahrscheinlich noch mehr Sachen zu diesem Projekt, vor allem im November. 
BTW, der erste Satz im Prolog steht schon fest und an dem ist nicht zu rütteln. Er lautet schlicht und einfach: "Ich sehe."

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nathalia

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