Sonntag, 27. Juli
19.43 Uhr
Wohnung #1
Die Wohnung liegt ein paar Stationen von der Haltestelle Oxford Circus. Sie ist nur ein paar Meter von der Station Finsbury Park weg.
Ich habe sie erst nicht gefunden, weil 177 Seven Sisters Road ein Geschäft ist, in dem man unter anderem zehn Bananen für ein Pfund kaufen kann (hab ich davor gemacht, erst dann ist mir aufgefallen, dass das ja auch die Nummer des Hauses ist, wo ich hinmuss).
an der Türklingel stand nur Top Floor und es hat niemand geantwortet, aber es war jemand zum Rauchen draußen und der hat mich hochgeschickt, obwohl er nicht wusste, wer ich bin. Erst kam eine Treppe, die ich halb hochgegangen bin. Dann habe ich mich nicht weiter hochgetraut, weil es einfach stockdunkel war. Ich stand da ein bisschen rum und habe mir überlegt ob ich einfach wieder gehen soll, aber dann ist jemand aufgetaucht.
Mitte zwanzig, dunkle lockige Haare, barfuß, Caprihose. Gutaussehend. Sein Englisch war jetzt nicht das beste und ich habe mir überlegt, dass das Wagner sein müsste, mit dem ich mich am Tag davor unterhalten und verabredet habe.
In der Wohnung gibt es drei Zimmer a zwei Personen. Ich würde mir meins mit einem Mädchen namens Daniela teilen, erklaert Wagner. Er klopft an die Zimmertuer und steckt den KOpf rein, stellt fest, dass er Daniela geweckt eckt hat und entschuldigt sich bei ihr, sagt, er habe gedacht, sie sei arbeiten. Das sagt er alles auf portugiesisch.
Überrascht frage ich ihn auf portugiesisch, ob er Brasilianer ist. Er bestätigt das und fragt mich dann, ob ich portugiesisch kann. Hmmm, wie hätte ich ihn auf portugiesisch sowas fragen können, wenn ich kein portugiesisch kann. Er ist deutlich glücklicher nachdem er festgestellt hat, dass ich portugiesisch spreche, fragt mich, woher ich komme. er erhält die Standardantwort, die ich unter anderem deswegen gebe, weil sie wahr ist, aber auch, weil die Reaktion immer so cool ist: Deuschland.
Er stellt mich kurz seinem Zimmermitbewohner vor, der in seinem Zimmer auf dem Boden sitzt. Der spricht nur englisch, glaube ich. Dann erklärt er mir aud portugiesisch, dass das sein Ex-Freund ist, mit dem er aber immer noch gut befreundet ist und mit dem er sich ein Zimmer teilt. Es ist ... setzt er an. @Kompliziert?@, biete ich an und er lacht.
Mittlerweile sind wir im Wohnzimmer, das wie der Rest des Hauses auch ein bisschen chaotisch ist. Es gibt eine große Dachterrasse, auf die er mich aber nicht rausführt.
Er erklärt mir, dass er mir das eine Schlafzimmer mit Daniela zusammen normalerweise nnur für drei Wochen anbieten könnte, weil ich aber portugiesisch spreche, könnte er mal schauen, ob ich es auch für fünf haben kann. Da muss er halt mal schauen, weil die eigentliche Bewohnerin drei Wochen nach Ungarn fliegt. Er telefoniert kurz und regelt es.
Daniela kommt aus dem Zimmer und Wagner erklärt ihr, dass ich Deutsche bin, aber portugiesisch kann. Sie fragt mich, ob das stimmt, ich sage ja. Wer es mit beigebracht hat. Meine Mutter. sie schaut verwirrt. Weil meine Mutter Brasilianerin ist. Sie schaut nun noch überraschter, meint, ich spreche wie sie und Wagner, ohne komischen Akzent über den man sich lustig machen kann. Ich grinse nur, bin ja solche Kommentare gewöhnt.
Wir reden ein bisschen, dann gehe ich. Wagner gibt mir seine Handynummer. Ich soll mich morgen bei ihm melden, wenn ich weiß, ob ihc einziehen will. Ich habe ihm gesagt, dass es noch ein, zwei andere Zimmer gibt, die ich mir anschauen will. Er nickt verständnisvoll, bittet mich auf jeden Fall anzurufen, auch wenn ich nicht einziehen will, damit er weiß, was los ist. Er macht mich nochmal darauf aufmerksam, dass die Lage gut ist und fragt, in welchem Hotel ich bin. Ich erwähne zu seiner Belustigung, dass die mich im Hotel vergiften wollen. Wir verabschieden uns.
Fazit: Das Zimmer ist na ja, klein, ich teile es mir. Es ist nicht optimal, aber die Lage ist nicht schlecht und Wagner und Daniela kommen mir sympathisch vor. Man sieht ihm nicht an, dass er schwul ist, das hat mich überrascht als er es gesagt hat, Ich glaube, dass er es gleich erwähnt, um abzuwägen, ob man damit klarkommt. wenn man ihn anstarrt, wird er wohl nciht so glücklich sein. Erklärt auch, warum sonst nur Mädchen und besagter Ex-freund docrt wohnen.
tags: 2008, german, london, alphasmart